ehrich und kollegen
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Die 5 Hauptgründe gescheiterter Unternehmensübernahmen

Der demografische Wandel erfasst den Mittelstand und schwächt das Wachstum der deutschen Wirtschaft. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie von KfW Research bereits vor einigen Monaten. Dass in den nächsten Jahren über 100.000 Unternehmen nach neuen Nachfolgern suchen müssen, unterstreicht die Problematik. 

Vor allem in Familienunternehmen ist die Nachfolgeregelung ein sensibles Thema. Woran sie scheitern kann, hat sich Diethard Simmert, Professor der ISM International School of Management, genauer angesehen. Seine Ergebnisse deuten auf fünf Problemfelder hin.

1. Fehlende Auseinandersetzung mit rechtlichen Belangen

Rechtliche Belange sind einer der Hauptgründe für gescheiterte Übernahmen, betont Simmmert. Dazu gehören insbesondere unstimmige Testamente, Gesellschafts-, Ehe- und Erbverträge. Simmert empfiehlt eine detaillierte Niederschrift über den Ablauf der Nachfolge sowie eine rechtzeitige Einbeziehung aller Beteiligten. 

2. Mangelnder Einbezug von Fachleuten

Häufig verlassen sich Unternehmer in der Übernahmefrage auf die Beratung langjähriger Begleiter, etwa ihres Steuerberaters. Sie übersehen. dass eine allein steueroptimierte Nachfolgelösung zu unüberbrückbaren Schwierigkeiten führen kann und den Nachfolgeprozess zum Scheitern verurteilt. Nötig ist ein „Blick für das Ganze”, weshalb Unternehmer auf Experten setzen sollten, erklärt Simmert.  

3. Interne Streitigkeiten

Konflikte und Missgunst unter den Beteiligten führen häufig zu gescheiterten Übernahmen. Vor allem Familienunternehmen leiden unter diesem Problem, so Simmert. Grund ist die mit der Generationsstufe ansteigende Anzahl an Gesellschaftern und die daraus resultierende Komplexität einer Unternehmensübernahme. Die Folge sind Pattsituationen und zersplitterte Gesellschafterkreise, die neben der Nachfolgeregelung auch das gesamte Unternehmen lähmen.

4. Fehlende Familienverfassung

Viele Unternehmerfamilien können den genannten Problemen mit einer sogenannten Familienverfassung vorgreifen. Sie wird gemeinsam erarbeitet und dient als Rahmenstruktur des unternehmerischen Handelns – auch bei einer Unternehmensübernahme. Die Arbeit auf Basis dieses gemeinsamen Kodex könne eine Übernahme erleichtern, so Simmert. Aktuell sind Familienverfassungen nur in rund 25 Prozent der deutschen Familienunternehmen im Einsatz. 

5. Schlechte Vorbereitung ohne Notfallkoffer

Die fehlende Vorbereitung spielt in allen zuvor genannten Problemfeldern eine entscheidende Rolle. Deutlich wird sie aber an einer Maßnahme, die kaum naheliegender und notwendiger sein könnte: dem sogenannten Notfallkoffer. Er stellt eine reibungslose Fortführung des Unternehmens auch im Falle unvorhersehbarer Tragödien sicher und ist deshalb eine absolute Notwendigkeit. Auch Simmert empfiehlt den Notfallkoffer um unerwarteten Todesfällen und den daraus resultierenden Problemen vorzugreifen.